Es war einmal vor 25 Jahren… Erinnerungen eines Gründungsmitglieds

Es war einmal vor 25 Jahren… Erinnerungen eines Gründungsmitglieds

Eine Gründungs-Mutter erinnert sich

Begonnen hat bei mir alles mit dem Buch „Kinder sind anders“ von Maria Montessori, das mir eine Freundin zum Geburtstag schenkte. Schon nach den ersten Seiten war ich völlig überzeugt, alles klang so schlüssig und war mit klaren Worten beschrieben. Montessori war in meinen Gedanken angekommen und begleitete mich fortan wie eine Wolke, die ständig über mir schwebte. Und wie es dann so ist, wenn man etwas ständig mit sich herumträgt, plötzlich entdeckte ich einen Veranstaltungshinweis in Dachau, dass Interessierte für die Gründung eines Montessori-Kindergartens gesucht würden. Da war ich doch dabei!

Und als es konkret darum ging, den Verein zu gründen und wer welchen Posten übernehmen könnte, war ich auch dabei. Nägel mit Köpfen – nicht nur Reden sondern auch Tun.

In meiner Erinnerung entwickelte sich dann alles ganz schnell. Alle, die engagiert dabei waren, kamen mit tollen Ideen, manchmal waren auch Luftschlösser dabei aber auch solche, die umgesetzt werden konnten. Jeder noch so kleine Gedanke und jede Möglichkeit, die uns ans Ziel bringen konnte, wurde aufgegriffen, geprüft und ausgebaut. Es wurde ein Raum gefunden. Unsere erste Spielgruppe war in der alten Landwirtschaftsschule für drei Tage untergebracht. Wir konnten auch überraschend schnell Erzieherinnen finden, die scheinbar schon in den Startlöchern gestanden hatten und mit Begeisterung aus der ungeeigneten Umgebung eine Vorbereitete schafften, alles mit kleinen Mitteln, kleinem Budget aber großem Herzen und viel Improvisationskunst. Der kleine Teil eines Traums war damit schon mal in Erfüllung gegangen.

Und dann fand uns das kleine, leerstehende Haus in der Ligsalzstraße mit einem riesigen Garten ringsherum.

Leider aber auch im Inneren alles andere als darauf vorbereitet, quirlige Kinder zu beherbergen. Aber letztendlich die einzige Chance. Nun ging es darum, die Dachauer Stadträte davon zu überzeugen, dass hier Unterstützung nötig war und es erforderte viele Gespräche in denen Missverständnisse und Vorurteile ausgeräumt werden mussten. Man kann es sich heute nicht mehr vorstellen, dass Montessori damals noch für viele etwas Exotisches war, das sehr kritisch beäugt und mitunter auch belächelt wurde. Letztendlich war es dem Geschick der verhandelnden Vorstandsmitglieder zu verdanken, dass die Stadt ihre Unterstützung zusagte.

Nun musste nur noch das Haus umgestaltet werden. Das wäre ohne das Fachwissen und handwerkliche Geschick der engagierten Eltern finanziell nicht zu stemmen gewesen. Mauern mussten beseitigt, sanitäre Anlagen eingerichtet werden, es musste gemauert und gemalert werden, der Boden musste erneuert und aufbereitet werden. Alles was irgendwie in Eigenleistung erbracht werden konnte, wurde von Müttern und Vätern, manchmal auch Großeltern übernommen, manche entdeckten verborgene Talente in sich und so hielt auch hier der Leitspruch „hilf mir, es selbst zu tun“ in der Erwachsenenwelt Einzug. Fachfirmen, die aufgrund von Vorschriften Arbeiten übernehmen mussten, berechneten günstige Tarife und so schritt die Fertigstellung zügig voran. Ich glaube, als der riesige Sandkasten im Garten fertig war, dachten manche wehmütig an ihre Kinderzeit und hätten sich gerne darin ausgetobt. Alle hatten das gleiche Ziel, alle zogen am gleichen Strang. Keine Streitereien wegen irgendwelcher Befindlichkeiten oder persönlicher Meinungsverschiedenheiten. Allen war klar, wir schaffen hier ein Zuhause für unsere Kinder, nicht nur einen Aufbewahrungsort. Vermutlich hätten viele in den kommenden Jahren keine Elternarbeit mehr leisten müssen, alle waren ohne zu Murren damit schon mal in Vorleistung gegangen.

So wie uns das kleine Haus gefunden hat, fanden uns auch unsere beiden Erzieherinnen Anna und Maria, die sich auf dieses Abenteuer eingelassen haben und viel Verständnis für manche unprofessionelle Gegebenheiten hatten. Zusammen wurde immer ein Weg gefunden, im Mittelpunkt stand das Wohlergehen der Kinder und das Wissen, dass es hier um das zweite Zuhause geht, das genauso gepflegt werden muss wie das erste Zuhause, schließlich verbringen hier die Kinder viele aktive Stunden ihres jungen Lebens.

Meine Tochter Milena begann mit dem ersten Kindergartenjahr 1994 ihre „Monte-Laufbahn“. Begleitet haben uns in den drei Jahren viele Ideen zu immer neuen Themen, die Anna uns Eltern auf liebevoll gestalteten „Hand-outs“ anhand gab, damit auch wir immer auf dem Laufenden und mittendring waren. Und nicht zu vergessen Pummelbrumm, dem ganz speziellen Helfer, den Anna entdeckt hatte und der den Kindern ein besonderer Freund war.

Es war ein harmonisches Miteinander, die Eltern waren auch dadurch einbezogen, dass in vielen Dingen Hilfe beim Unterhalt des Hauses notwendig war. Sei es durch die anfänglichen Putzdienste, notwendige Reparaturarbeiten, Ausbauarbeiten oder auch die Vorbereitung des Mittagessens einmal in der Woche. Somit waren den Eltern auch immer Gestaltungsmöglichkeiten gegeben, nichts war anonym und da viele dann in die Montessori-Schule gewechselt haben, war auch hier gleich eine gute Basis für die weitere Aufbauarbeit geschaffen, die auch hier noch notwendig war.

Ich freue mich sehr, dass das, was als großer Traum in vielen kleinen Schritten begonnen hat, so erfolgreich fortgesetzt werden konnte. Dass mittlerweile so viele Kinder und Eltern die Besonderheit dieser Pädagogik und die Umsetzung durch viele liebe Menschen und in diesem wunderschönen Haus genießen konnten und hoffentlich noch lange können. Alles Gute für die nächsten 25 Jahre!